Löwentriathlon 2026

30.05.2026 Löwentriahtlon

 

Saisonauftakt in Freilingen: Ohne Neo, mit Druck auf dem Pedal und einem kleinen Drama auf der Laufstrecke

Ende Mai. Die Triathlon-Saison klopft an die Tür. Und wie in den vergangenen Jahren bedeutete das für mich: erster Wettkampf des Jahres im beschaulichen Freilingen im Westerwald. Also raus aus der schwülen Kölner Luft, früh morgens ins Auto und ab Richtung klarer Kopf, klare Luft und hoffentlich klare Beine.

Vor Ort lief zunächst alles angenehm entspannt. In Ruhe in die Wechselzone einchecken, den Platz für die beiden Wechsel herrichten, Schuhe ausrichten, Helm platzieren, Rad nochmal anschauen, als würde es gleich von allein losfahren. Die Temperaturen waren angenehm, die Luft herrlich klar. Kurz gesagt: perfekte Bedingungen, um sich selbst später komplett zu zerlegen.

Nachdem alles vorbereitet war, blieb noch Zeit, mir die Ligarennen anzuschauen, die vor dem Altersklassenrennen ausgetragen wurden. Immer eine gute Idee, um sich ein bisschen einzustimmen. Oder um sich einzureden: „Sieht doch alles ganz locker aus.“ Spoiler: Ist es nicht.

Dann rückte meine Startzeit näher. Also umziehen, Neo schnappen und ab zum Freibad. Dort dann die freundliche Durchsage des Tages: „Heute Neoverbot!“

Ach, wunderbar. Genau das, was man hören möchte, wenn man sich innerlich schon auf ein bisschen Auftrieb und Komfort eingestellt hat. Ohne Neo bedeutet: länger schwimmen, weniger gleiten, mehr arbeiten. Aber gut. Jammern hilft nicht. Schwimmkappe auf, Brille auf, an die Startlinie stellen und möglichst weit an den Rand. Dort, wo die Wahrscheinlichkeit am geringsten ist, direkt zu Beginn in die übliche triathletische Waschmaschine aus Armen, Beinen und Adrenalin zu geraten.

3, 2, 1 — Start.

Ich stürze mich in die Fluten und finde überraschend schnell meinen Rhythmus. Nicht überpacen, nicht hektisch werden, bloß keine Atemprobleme provozieren. Nach ein paar Minuten geht es schon zur ersten Wendeboje. Ich wähle eine etwas weitere Linie, um dem Körperkontakt mit anderen Sportlern aus dem Weg zu gehen. Man muss ja nicht alles mitnehmen, was der Triathlonsport so an Nahkampfelementen bereithält.

Auch die zweite Boje läuft gut, dann geht es Richtung Ausstieg. Wo ich liege? Keine Ahnung. Irgendwo vor mir tauchen ein paar Füße auf, und ich mache das, was man in solchen Situationen eben macht: dranhängen und hoffen, dass der Mensch vor einem weiß, wo es langgeht. Spart immerhin den einen oder anderen Blick nach vorne.

Nach gut zehn Minuten komme ich etwa auf Platz 20 bis 25 aus dem Wasser. Erste Disziplin geschafft. Beim Lauf in die Wechselzone höre ich meinen Namen, sammle direkt die ersten Plätze ein und kann insgesamt als 15. auf die Radstrecke wechseln.

Und dort beginnt dann der Teil des Tages, der mir besonders gut gefällt.

Von Anfang an gebe ich richtig Gas. Der Tacho zeigt 280 Watt. Mein Kopf sagt: „Das könnte ein bisschen viel sein.“ Meine Beine sagen: „Ach komm, stell dich nicht so an.“ Also weiter. Ich überhole einen Kontrahenten nach dem anderen, und es fühlt sich erstaunlich gut an. Auf der zweiten Runde kommen zusätzlich die Frauen mit auf die Strecke, wodurch es langsam voller wird. Auch hier kann ich zügig vorbeiziehen.

Nach der zweiten Runde steht die Durchschnittsleistung immer noch bei 280 Watt. Zu viel? Vielleicht. Aber wenn es sich gut anfühlt, kann es nicht schlecht sein und dann kann man diese Frage ja auch einfach auf später verschieben. Zum Beispiel auf die Laufstrecke. Dort wird sie sich dann ganz von allein beantworten.

Die dritte Runde läuft ähnlich. Auf dem letzten Anstieg gehe ich in den Wiegetritt, da brüllt jemand von der Seite: „Du bist eine Maschine!“

In dem Moment nimmt man so etwas natürlich gerne mit. Auch wenn die Maschine im Inneren bereits ein wenig verdächtig nach überhitztem Haushaltsgerät klingt. Ich schließe noch langsam auf einen weiteren starken Athleten auf und komme kurz hinter ihm in die Wechselzone. Später sollte sich herausstellen: beste Radzeit des Tages. 

Ein kurzer Blick in die Wechselzone: Nur zwei Räder stehen da. Und einer läuft vor mir raus. Ich springe in die Laufschuhe und los geht’s.

Oder besser gesagt: los taumelt’s.

Meine Beine fühlen sich an, als hätten sie beschlossen, ihre Kündigung einzureichen. Dazu macht sich eine leichte Übelkeit bemerkbar. Also alles ganz normal nach einer Radstrecke, auf der man vielleicht minimal übermotiviert war. Von außen höre ich meinen Namen und die Info: „Vierter Platz, vierter Platz!“

Vor mir läuft der Dritte. Ich versuche dranzubleiben, aber zunächst reicht es nicht. Nach einem Kilometer kommt eine kurze Gegenpassage. Mir kommt das Führungsfahrrad mit den Top-Duos entgegen. Der Zweite sieht allerdings nicht mehr ganz so dynamisch aus. Da beginnt es im Kopf zu rattern: Geht da vielleicht noch was?

Ich versuche meinen Rhythmus zu finden und stoppe nach zwei Kilometern die Abstände: 45 Sekunden auf Platz zwei, 25 Sekunden auf Platz drei. Noch nicht aussichtslos, aber auch nicht gerade ein Geschenk. Über den Campingplatz geht es Richtung Zielbereich, aber abbiegen darf ich natürlich noch nicht. Zweite Runde. Nochmal alles von vorne. Herrlich.

Wieder höre ich meinen Namen. Und tatsächlich: Es hilft. Es setzt in mir nochmal ungeahnt Reserven frei. Die Schritte werden etwas schneller, der Kopf etwas klarer, der Abstand etwas kleiner. Am Wendepunkt sehe ich: Der bisher Dritte hat den Zweiten offenbar überholt. Der neue Dritte liegt noch etwa 20 bis 30 Sekunden vor mir. Es sind noch zwei Kilometer bis ins Ziel.

Jetzt beginnt das langsame Einsaugen.

Meter für Meter komme ich näher. Noch ein Kilometer, und es sind nur noch etwa 20 Meter nach vorne. Der Körper sagt: „Lass es.“ Der Kopf sagt: „Jetzt oder nie.“ Also: Do or die.

Ich hole alles raus, was noch irgendwo versteckt ist, und kann 500 Meter vor dem Ziel aufschließen. Kurz überlege ich, wann ich vorbeigehe. Die Antwort ist schnell gefunden: jetzt.

Links raus, antreten, vorbei. Platz drei.

Noch 400 Meter. Ich drehe mich nicht mehr um. Kein Blick zurück, keine Verhandlung mit dem inneren Schweinehund. Über den Campingplatz wird alles rausgeholt, was noch im Tank ist. Vermutlich war es nicht mehr viel, aber es reichte. Ich biege auf die Zielgerade ein, höre meinen Namen und sehe kurz vor mir Platz zwei ins Ziel laufen. Wenige Sekunden später bin auch ich durch.

Podium. Wie geil.

Die Kraft weicht aus den Beinen, ich sinke ins Gras und bin vollkommen fertig. Aber genau so fertig, wie man es nach einem richtig guten Rennen sein möchte.

Erster Triathlon der Saison. Und was für einer:

  • Bester Bike Split
  • Sieger der AK45
  • Dritter der Gesamtwertung

Freilingen hat wieder geliefert. Ein super Wettkampf, eine tolle Atmosphäre und ein Saisonauftakt, der definitiv Lust auf mehr macht. Auch wenn meine Beine das in diesem Moment vermutlich anders gesehen haben.

so far...
#keeponrunning