Bonn Halbmarathon 2026
19.04.2026 Bonner Halbmarathon

Bonner Halbmarathon 2026: Erste Reihe, leere Brücke und eine Bestzeit aus dem Nichts
Bonner Halbmarathon 2026. Morgens früh ging es nach Bonn. So richtig wach war ich noch nicht, aber das ist bei einem Laufstart ja ohnehin meistens eher ein theoretisches Konzept. Also ankommen, umziehen, After-Race-Beutel abgeben und langsam Richtung Startbereich schlendern.
Die Temperaturen waren irgendwo zwischen „kurz geht schon“ und „lang wäre vielleicht doch klüger“. Also genau diese Wetterlage, bei der man fünf Minuten vor dem Start noch einmal sämtliche Kleidungsentscheidungen seines Lebens hinterfragt.
Die Vorbereitung? Sagen wir mal: ausbaufähig. Richtig fit fühlte ich mich nicht. Dazu wenig Schlaf in den Tagen davor. Große Erwartungen an das Rennen hatte ich also keine. Eigentlich wollte ich einfach laufen, schauen, was passiert, und hoffen, dass der Körper unterwegs nicht zu früh einen Antrag auf Arbeitsverweigerung stellt.
Ich ging langsam in meinen Startblock. In Bonn wird in Wellen gestartet, immer abschnittsweise. Und genau vor mir wurde plötzlich das Wellenband eingezogen.
Moment.
Das bedeutete: Ich stand in der ersten Reihe der zweiten Welle.
Ganz vorne.
Direkt an der Linie.
Keine Ausreden mehr.
Dann der Start.

Ich renne los, biege als Erster um die Kurve auf die Kennedybrücke — und plötzlich ist da niemand vor mir. Wirklich niemand. Nur Straße, Brücke, Sonne, Rhein und ich.
Ein ziemlich seltsames Gefühl, ein Rennen mit über 10.000 Startern „anzuführen“. Natürlich nur meine Welle, aber das Gehirn nimmt solche Details in diesem Moment nicht ganz so genau. Für ein paar Sekunden fühlt es sich an wie Olympia, nur ohne Nationaltrikot, ohne Kameramotorrad und mit deutlich weniger Ahnung, ob das Tempo eine gute Idee ist.
Aber geil war es.

Die ersten Kilometer liefen erstaunlich rund. Ich fand schnell meinen Rhythmus, die Beine machten mit, die Atmung passte. Nach fünf Kilometern stand eine 19:35 auf der Uhr.
Krass schnell.
Für einen Tag ohne Erwartungen war das schon ziemlich sportlich. Aber es fühlte sich nicht nach Überziehen an. Ich lief langsam in die erste Welle hinein, und dadurch wurde es auf der Strecke voller. Vor mir tauchten immer mehr Läufer auf, die ich einsammeln konnte. Das motiviert natürlich. Wenn man schon nicht weiß, ob der Körper heute wirklich bereit ist, kann man ihm wenigstens vorgaukeln, dass es hervorragend läuft.
Es ging wieder unter der Kennedybrücke her und anschließend darüber. Am Anstieg machte ich Tempo. Bergauf Druck machen, oben kurz sortieren und bergab laufen lassen. Die Zuschauermassen am Rand schoben zusätzlich. Dieses Gefühl, wenn die Beine rollen, die Strecke lebt und man einfach mitten im Rennen ist — genau dafür macht man den ganzen Quatsch.
Die zweiten fünf Kilometer gingen in 19:46 weg.
Immer noch richtig schnell.
Langsam kam der Gedanke: Geht da heute vielleicht doch was? Die Beine fühlten sich weiterhin erstaunlich entspannt an. Fast verdächtig entspannt. Aber ich wollte nicht zu früh misstrauisch werden. Wenn der Körper ausnahmsweise kooperiert, sollte man ihn nicht durch zu viele Fragen nerven.
Dann ging es Richtung Rheinaue und weiter zum langen Anstieg am Posttower. Und dort wurde das Ganze langsam ehrlicher. Der Abschnitt zog sich. Es wurde anstrengender, der Puls meldete sich deutlicher, und der Kopf bekam zum ersten Mal die Information: „Nur zur Erinnerung, das hier ist kein lockerer Sonntagslauf.“
Die dritten fünf Kilometer liefen in 20:00 Minuten durch. Für das Profil absolut in Ordnung. Kein Einbruch, kein Drama, alles noch im grünen Bereich.
Jetzt ging es zurück Richtung Marktplatz. Erst einmal bergab. Und bergab kann man entweder vorsichtig verwalten oder einfach schauen, was noch geht.
Ich entschied mich für Variante zwei.

Die persönliche Bestzeit war plötzlich drin. Aus einem Rennen ohne Erwartungen wurde ein Rennen mit ziemlich klarer Mission. Also Gas geben, Tempo halten, nicht nachdenken. Die Beine begannen zu brennen, aber noch war genug im Tank. Oder zumindest redete ich mir das erfolgreich ein.
Die vierten fünf Kilometer gingen wieder in 19:35 weg.
Da war klar: Jetzt wird es ernst.
Es wurde voller auf der Strecke, es ging durch die Innenstadt Richtung Rathausplatz. Die Sonne strahlte, die Menschen standen dicht am Rand und peitschten einen nach vorne. Genau diese Zielphase, in der man gleichzeitig leidet, grinst, flucht und innerlich rechnet, ob es wirklich für die Bestzeit reicht.
Die letzten Meter zogen sich wie immer. Das Ziel war nah, aber der Körper fand, dass „nah“ ein sehr dehnbarer Begriff ist. Trotzdem: weiterdrücken, Arme mitnehmen, nicht nachlassen. Noch ein paar Kurven, noch ein paar Meter, noch einmal alles raus.
Dann der Zieleinlauf.

1:23:27.
Neue persönliche Bestzeit.
Damit hatte ich an diesem Morgen wirklich nicht gerechnet. Wenig Schlaf, keine optimale Vorbereitung, kein echtes Gefühl von Topform — und am Ende steht da eine neue PB.
Manchmal sind genau das die besten Rennen. Die, bei denen man ohne große Erwartungen startet, plötzlich alleine vorne auf der Kennedybrücke steht und der Tag entscheidet: Heute machen wir mal etwas Überraschendes.
Bonner Halbmarathon 2026 — unerwartet schnell, richtig hart und am Ende einfach nur geil.
so far...
#keeponrunning