Bonn Triathlon 2026

07.06.2026 Bonn Triathlon

 

Bonn Triathlon: Rheinabwärts, wattstark durch die Berge und mit Boxenstopp aufs AK-Podium

Siebter Juni. Bonn Triathlon. Allein der Name klingt schon nach Tradition, Rhein, Sonnenbrille und leicht erhöhtem Puls. Nachdem ich im letzten Jahr, bei der ersten Ausgabe nach der Corona-Pause, leider keinen Startplatz bekommen hatte, durfte ich dieses Jahr endlich wieder dabei sein. Also ging es früh morgens los in die Beethovenstadt.

Vor Ort angekommen, hieß es erst einmal: Rad einchecken, Wechselplatz vorbereiten, Laufschuhe positionieren und versuchen, dabei so auszusehen, als hätte man alles komplett im Griff. Die Temperaturen waren mit 16 Grad noch etwas frisch, aber die Sonne war schon draußen und versprach: Das wird ein guter Tag. Vielleicht sogar ein sehr guter. Meine Beine hatten zu diesem Zeitpunkt jedenfalls noch keine Einwände.

Da der Schwimmstart ein paar Kilometer entfernt am Kameha Hotel lag, machte ich mich auf den Weg zum Shuttlebus. Dort angekommen blieb noch rund eine Stunde bis zum Start. Die Nervosität hielt sich angenehm in Grenzen. Ich unterhielt mich noch mit ein paar Freunden, die ebenfalls am Start waren, und konnte die besondere Atmosphäre am Rhein genießen. Noch war alles entspannt. Noch tat nichts weh. Noch war der Körper der Meinung, dass Triathlon eine gute Idee sei.

Als es langsam ernst wurde, zog ich mich um, gab meine Tasche mit den After-Race-Sachen ab und stellte mich in meinen Startblock. In Bonn startet man blockweise von einer Fähre direkt in den Rhein. Klingt spektakulär, ist spektakulär — und fühlt sich ein bisschen so an, als würde man sich freiwillig in eine Mischung aus Abenteuerurlaub und Waschmaschine begeben.

Auf dem Weg zur Rampe arbeitete ich mich langsam nach vorne und stand plötzlich in der ersten Reihe. Taktisch klug? Mutig? Übermotiviert? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.

Dann kam der Countdown.

10 … 3, 2, 1 — Go!

Ab in den Rhein.

Am Anfang war es ziemlich voll. Arme, Beine, Wasser, Adrenalin — das übliche Startgemenge. Aber da es in Bonn keine Wendebojen gibt, konnte ich mich relativ schnell aus dem Gröbsten heraushalten und meinen Rhythmus finden. Beim Atmen nach hinten schien mir die Sonne direkt ins Gesicht. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes schwammen wir fast in der Mitte des Rheins, was sich ungewohnt anfühlte, aber gut machbar war.

Etwa bei der Hälfte legte ich einen kurzen Zwischensprint ein, um mich aus einer nervigen Gruppe zu lösen. Manchmal muss man im Wasser eben kurz die Flucht nach vorne antreten. Danach konnte ich wieder frei schwimmen und meinen Rhytmus beibehalten.

Nach 33 Minuten kam ich aus dem Wasser. Platz 132 gesamt, 15. in der AK45. Für den Auftakt absolut in Ordnung. Jetzt nur schnell aus dem Neo, Kappe und Brille weg, ab zum Rad.

Also losgerannt.

Leider erst einmal am Rad vorbei.

Ich Depp.

Zehn Meter zurück, kurz innerlich die eigene Orientierungskompetenz hinterfragt, dann weiter im Programm: Schuhe an, Helm auf, Maschine geschnappt und raus aus der Wechselzone. Nach der Mount Line begann das Radfahren.

Und die ersten 20 Kilometer waren — sagen wir es freundlich — sportlich interessant. Es war unfassbar voll auf der Strecke. Offenbar war ich ein wenig „zu schnell“ unterwegs, denn ich fuhr bereits in die vorderen Startgruppen hinein. Teilweise wurde in Dreier- oder Viererreihen gefahren, sodass Überholen ungefähr so einfach war wie mit einem Rollator durch einen Weihnachtsmarkt zu sprinten.

Ich versuchte trotzdem, möglichst zügig voranzukommen, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Nach 30 Minuten standen 270 Watt auf der Uhr. Hm. Es ging zwar viel bergauf, aber das war mit ziemlicher Sicherheit zu viel. Der Kopf meldete sich vorsichtig: „Vielleicht ein bisschen ruhiger?“ Die Beine antworteten wie immer: „Ach, läuft doch.“

Nach der ersten längeren Abfahrt sank die Durchschnittsleistung auf 250 Watt. Das klang vernünftiger. Also beschloss ich, diesen Wert möglichst zu halten. Es ging weiter auf und ab durch die Berge vor Bonn, und nach und nach konnte ich immer wieder Athleten einsammeln. Die Strecke war fordernd, aber sie lag mir. Druck aufs Pedal, sauber fahren, dranbleiben.

Nach 1:51 Stunden kam ich zurück in die Wechselzone. Aus Platz 132 nach dem Schwimmen war inzwischen Platz 46 gesamt geworden. In der AK45 lag ich auf Platz fünf. Das Rad hatte also wieder ordentlich geliefert.

Der Wechsel in die Laufschuhe ging schnell. Die ersten Meter fühlten sich allerdings an wie immer: eine Mischung aus Eiertanz, frisch betonierten Oberschenkeln und der leisen Frage, ob das wirklich meine Beine sind oder ob mir jemand unterwegs zwei fremde Exemplare montiert hat.

Apropos: Ich musste irgendwie auf die Toilette.

Kann man das einhalten? Erstmal loslaufen.

Der erste Kilometer ging in 4:00 Minuten weg. Das fühlte sich langsamer an. Gut so. Kontrolliert anlaufen war der Plan, schließlich standen drei Runden à fünf Kilometer auf dem Programm. An der ersten Verpflegungsstelle dachte ich mir: Wenn ein Dixi frei ist, gehe ich rein.

Und tatsächlich: eins war frei.

Die 30 Sekunden waren hervorragend investiert. Danach lief es im wahrsten Sinne des Wortes deutlich befreiter.

Das Tempo um vier Minuten pro Kilometer konnte ich mit plus/minus fünf Sekunden ziemlich gut halten. Immer wieder überholte ich Athleten. Allerdings weiß man in Bonn durch die verschiedenen Startgruppen nie so richtig, wo man tatsächlich liegt. Man sammelt Leute ein, aber ob das direkte Konkurrenz ist oder jemand aus einem anderen Startblock, bleibt ein kleines Ratespiel. Also blieb nur: weiterlaufen.

Auf der zweiten Runde wurde es deutlich voller auf der Strecke. Nach und nach kamen die Athleten dazu, die jetzt erst von der Radstrecke kamen. Trotzdem war die Dichte noch okay, und ich konnte mein Tempo selbst bestimmen. Außerdem fühlt es sich natürlich gut an, wenn man ständig überholt. Für den Kopf ist das wie kleine Energie-Gels ohne Verpackungsmüll.

Die Kilometerzeiten blieben stabil.

Auf der dritten Runde wurde es dann noch einmal voller. Und auch meine Beine meldeten sich langsam zu Wort. Ehrlich gesagt hatte ich mit dieser Beschwerde deutlich früher gerechnet, vor allem bei dem Tempo. Zusätzlich spürte ich einen leichten Druck im Oberkörper. Der Körper begann also, die Rechnung für die vergangenen Stunden zu präsentieren.

Bei der letzten Wende sagte ich mir: „Nur noch zehn Minuten, dann bist du im Ziel.“

Klingt kurz. Fühlt sich im Wettkampf aber an wie eine eigene Zeitzone.

Meine Beine hatten keine Lust mehr, meine Lunge meinte ebenfalls, es sei langsam genug, und irgendwo im Kopf begann die Verhandlung mit dem inneren Betriebsrat. Trotzdem wurden die letzten beiden Kilometer die schnellsten des Rennens. Kilometer 14 ging in 3:54 Minuten weg. Danach kam der lange Zielsprint.

Oder das, was sich nach Zielsprint anfühlte und von außen vermutlich eher aussah wie kontrolliertes Stolpern mit Kampfansage.

Ich war jedenfalls unfassbar froh, als ich irgendwie, irgendwo, irgendwann in den Zielkanal einbog. Lange hätte ich mich nicht mehr auf den Beinen halten können. Der letzte Kilometer ging tatsächlich in 3:40 Minuten weg. 15 Kilometer in genau einer Stunde. Nach 3:30:55 Stunden blieb die Uhr für mich stehen.

Ich war fix und fertig.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Auf den letzten zwei Kilometern war ich noch auf Platz drei meiner Altersklasse vorgelaufen. Da hatte sich das Leiden am Ende also nicht nur irgendwie gut angefühlt — es hatte sich auch richtig gelohnt.

Am Ende standen:

  • 3:30:55 Stunden Gesamtzeit
  • 64 Kilometer Rad mit 930 Höhenmetern und 265 Watt NP
  • 15 Kilometer Lauf in genau 1:00 Stunde
  • Platz 39 gesamt bei über 1.000 Startern
  • Platz 3 🥉 in der AK45

Alles in allem ein richtig guter Wettkampf. Ein starker Tag in Bonn, ein harter Ritt durch die Berge, ein sehr lohnender Boxenstopp und ein Finish, bei dem am Ende wirklich alles raus musste.

Bonn Triathlon — schön war’s. Anstrengend auch. Aber vor allem: richtig gut.

so far...
#keeponrunning