N3T Niederrhein-Triathlon 2026

28.06.2026 N3T Niederrhein-Triathlon

Kalkar Triathlon: Kontrolliertes Ertrinken, blaue Rakete und die 40er-Schallmauer

Werte Fangemeinde,

heute ging es an den Niederrhein nach Kalkar. Bei fantastischem Wetter traf ich auf dem Eventgelände ein, auf dem neben Sprint- und olympischer Distanz auch eine flotte Mitteldistanz ausgetragen wurde. Ich selbst war für den Sprint gemeldet — und zwar in der letzten Startgruppe. Das hatte den Vorteil, dass ich mir erst einmal ganz entspannt das bunte Treiben anschauen konnte. Also: Athleten beobachten, Material bestaunen, Nervosität anderer aufsaugen und so tun, als wäre man selbst völlig tiefenentspannt.

Irgendwann wurde es dann aber auch für mich ernst. Also Rad einchecken, Wechselzone vorbereiten und den strategisch wertvollen Schattenplatz direkt am Ausgang zum Bike-Part sichern. Wenn man schon leiden muss, dann wenigstens mit durchdachter Logistik.

Da es schon seit Tagen ordentlich heiß war, gab es natürlich wieder Neoverbot. Bedeutet: weniger Auftrieb, mehr Arbeit, etwas länger schwimmen. Also genau das, was man sich als mittelmäßig begeisterter Schwimmer vor einem Sprinttriathlon wünscht.

Ich machte mich fertig und ging zum Start. Das Wasser war wirklich sehr warm, fast schon Badewannenmodus. Ich schwamm ein paar Züge ein, sortierte Brille, Kappe und Gedanken — dann setzte plötzlich epische Musik ein. Kurz fühlte es sich an, als würden wir nicht zu einer Boje schwimmen, sondern gleich in die entscheidende Schlacht aus einem Hollywoodfilm ziehen.

Dann der Schuss.

Los ging es mit knapp 300 Teilnehmern Richtung Boje eins.

Ich hielt mich rechts außen, schön weg vom Getümmel. Auf Körperkontakt, Wasserschlucken und unfreiwillige Nahkampfeinlagen hatte ich heute nur begrenzt Lust. So konnte ich schnell einen für mich ordentlichen Rhythmus finden. An der ersten Boje wurde es kurz eng, ich wurde etwas schneller und merkte ziemlich zügig: Das ist zwar motiviert, aber wenn ich nicht absaufen will, sollte ich besser wieder rausnehmen.

Also kurz beruhigen, Rhythmus wiederfinden und weiter. An der zweiten Boje war wieder alles im grünen Bereich, und dann ging es Richtung Ausstieg. Nach dem kontrollierten Ertrinken kam ich nach 9:45 Minuten für die 500 Meter als 42. aus dem Wasser.

Kurz geschüttelt, Wasser aus dem Gesicht, Orientierung wiederhergestellt — und ab auf die blaue Rakete.

Der Radkurs war sehr flach. Und flach bedeutet: keine Ausreden. Also direkt von Anfang an Druck aufs Gaspedal. Die ersten fünf Kilometer gingen mit einem 43er Schnitt weg. Läuft. Nach zehn Kilometern standen immer noch über 42 km/h auf der Uhr. Ich konnte einen Athleten nach dem anderen einsammeln, und es fühlte sich richtig gut an.

Heute könnte sie tatsächlich fallen: die magische 40er-Schallmauer auf dem Bike-Part.

Also weiter Vollgas.

Nach 15 Kilometern immer noch knapp 42 km/h im Schnitt. Die Beine fingen langsam an, sich zu beschweren, aber ganz ehrlich: Das muss das Boot abkönnen, Herr Kaleu. Heute wurde nicht diskutiert. Heute wurde gedrückt.

Am Ende hat mich die blaue Rakete mit unglaublichen 41,1 km/h über den Radkurs getragen. Das reichte tatsächlich knapp zur Bestzeit auf dem Rad. Schnellster Bike-Split des Tages. Geil.

Insgesamt lag ich nun in den Top 10.

Dann kam das Laufen.

Und meine Beine meldeten sich sofort mit einer ziemlich klaren Ansage: „Also von unserer Seite wäre jetzt Feierabend.“

War aber leider nicht vorgesehen. Es standen noch fünf Kilometer an. Also Laufschuhe an, Kopf aus und los.

Auf der Laufstrecke war es richtig voll. Die Athleten der verschiedenen Distanzen mischten sich, und dadurch wurde das Überholen teilweise zur kleinen Geschicklichkeitsprüfung. Links vorbei, rechts vorbei, Lücke suchen, Tempo halten. Da so viel los war, hatte ich überhaupt keine Ahnung, wer noch in meinem Rennen war und wer nicht. Also blieb nur eine Taktik: weiterballern.

Mit einem konstanten 4er Schnitt prügelte ich mich über die Strecke. Die Beine hatten keine Lust, der Kopf schon eher, und irgendwo zwischen beidem entstand so etwas wie Vorwärtsbewegung. Langsam wurde die Musik vom Eventgelände wieder lauter. Aus den Boxen kam laute Musik und ich dachte mir: „Da ist so ein Gefühl im Bauch…“ — und irgendwie passte das perfekt. Denn ich schaute auf die Uhr und dachte plötzlich: Das habe ich noch nicht gekannt, könnte das heute tatsächlich zum ersten Mal unter einer Stunde ausgehen?

Jetzt war es anders. Jetzt ging es nicht mehr nur darum, irgendwie ins Ziel zu kommen. Jetzt ging es darum, diese Chance nicht mehr herzugeben. Das Ziel konnte nicht mehr weit sein.

Also nochmal alles geben, was noch im Tank war. Oder zumindest das, was nach Schwimmen, Radfahren und Beindiskussion noch auffindbar war.

Am Ende kam ich mit der fünftbesten Laufzeit auch als Fünfter der Gesamtwertung ins Ziel. In der Altersklasse reichte es für Platz drei.

Unterm Strich:

  • 500 Meter Schwimmen in 9:45 Minuten
  • Schnellster Radsplit des Tages mit 41,1 km/h Schnitt 
  • Fünftbeste Laufzeit
  • Platz 5 gesamt
  • Platz 3 in der Altersklasse
  • Sub1 mit 1:00:07h haarscharf verpasst.

Kalkar war Super und ist immer eine Reise wert. Heißes Wetter, warmes Wasser, volle Strecke, schnelle Beine und eine blaue Rakete, die heute richtig gezündet hat.

Geil war’s.

 

#keep on running.