RaiffEISEN Triathlon Hamm (Sieg) 2026

12.07.2026 RaiffEISEN Triathlon Hamm (Sieg)

Raiffeisen Triathlon Hamm: Rennrad, 311 Watt Normalized Power und ein Podest zum Greifen nah

Werte Fangemeinde,

gestern ging es wieder zum Raiffeisen Triathlon nach Hamm. Dieser Wettkampf ist etwas Besonderes, denn hier sind Zeitfahrräder tabu. Gefahren wird ausschließlich mit dem Rennrad. Der Grund ist schnell erklärt: Die Radstrecke kennt eigentlich nur zwei Zustände – bergauf oder bergab. Es gibt gefühlt keinen einzigen Meter, auf dem man einfach nur rollen könnte. Wer hier schnell sein will, braucht Beine und kein Aero-Material.

Also machte ich mich früh morgens auf den Weg, um rechtzeitig mein Rad in der Wechselzone einzuchecken. Diese schloss etwas früher, da vorher noch die Ligawettkämpfe stattfanden. Das Wetter versprach einen perfekten Triathlontag: strahlender Sonnenschein, allerdings auch ordentlich Hitze. Nachdem Rad und Laufsachen ihren Platz gefunden hatten, schaute ich mir noch entspannt die Ligarennen an. Irgendwann wurde aus Zuschauen dann aber Ernst. Wenig überraschend gab es aufgrund der Temperaturen wieder Neoverbot. Das Wasser im Waldschwimmbad war ohnehin so warm, dass man im Neopren vermutlich eher gegart als geschwommen wäre.

Der Startschuss fiel und ich hielt mich zunächst bewusst etwas aus dem Getümmel heraus. Direkt nach rund 100 Metern wartete nämlich schon eine enge 180-Grad-Wendeboje. Dort wird aus einem lockeren Schwimmfeld innerhalb weniger Sekunden eine ziemlich unkoordinierte Menschenansammlung. Vor der Boje hatte ich allerdings etwas zu viel Druck gemacht. Nach der Wende meldete sich sofort die Lunge mit der freundlichen Erinnerung, dass Sauerstoff durchaus hilfreich sein kann. Also Tempo raus, Atmung beruhigen und bloß keine Panik bekommen. Nach ein paar ruhigen Zügen hatte ich meinen Rhythmus wieder gefunden und konnte die restlichen 500 Meter sauber zu Ende schwimmen. Als 22. kam ich aus dem Wasser. Ab in die Wechselzone, Helm auf, Rad schnappen und raus auf die Straße.

Jetzt begann der Teil des Tages, auf den ich mich gefreut hatte.

Die Strecke schickte uns sofort in den ersten Anstieg. Also ordentlich Druck aufs Pedal und direkt die ersten Athleten einsammeln. Der Radkurs bestand aus vier Runden à fünf Kilometer. Pro Runde warteten drei knackige Anstiege und drei schnelle Abfahrten. Erholung gab es eigentlich nur für wenige Sekunden, bevor schon der nächste Hügel wartete. Ein permanenter Wechsel zwischen maximalem Druck und kurzer Entlastung. Nach der ersten Runde warf ich einen Blick auf den Tacho. 320 Watt Durchschnitt.

Ähm... das dürfte deutlich zu viel sein. Also versuchte ich, das Ganze etwas kontrollierter anzugehen. Zumindest theoretisch. Denn sobald die Straße wieder nach oben zeigte, war jeder gute Vorsatz vergessen. Bergauf wurde einfach weiter Vollgas gefahren. Ich schaute nach unten und für einen Moment traf mich ein Lächeln. Mein Kopf fuhr Achterbahn und alles um mich wurde still, kein Menschen mehr. Lichtstrahlen blenden durch die Baumkronen, und ich fahre der Sonne entgegen. Nach der ersten Runde hängte sich plötzlich ein anderer Athlet an mein Hinterrad. Die nächsten beiden Runden blieb er dort. Zwischendurch rollte er einmal neben mich, grinste und meinte nur:

„Alter, fährst du krass.“

Ich grinste zurück und trat einfach weiter. Im Ziel stellte sich heraus, dass genau dieser Fahrer später die zweitschnellste Radzeit des Tages gefahren war. Mit knapp 70 km/h schoss ich die letzte Abfahrt hinunter und rollte zurück in die Wechselzone.

Schnellste Radzeit des Tages.

Und auf dem Radcomputer standen unglaubliche 311 Watt Normalized Power. Die entscheidende Frage lautete jetzt nur noch: Geht danach überhaupt noch Laufen?

Ich schlüpfte in die Laufschuhe und machte mich auf den Weg. Die Antwort kam sofort. Die Laufstrecke war genauso freundlich wie die Radstrecke. Hoch, runter, Feldwege, Schotter und dazu mittlerweile brennende Sonne. Die ersten anderthalb Kilometer gingen fast ausschließlich bergauf. Genau dort konnte ich den bis dahin Drittplatzierten überholen. Das motivierte natürlich gewaltig. Die Sonne knallte inzwischen erbarmungslos vom Himmel. An jeder Verpflegungsstelle nahm ich Wasser mit – zum Trinken, zum Kühlen oder einfach, weil gerade alles willkommen war. Kurz vor Ende der ersten Runde kam dann plötzlich ein Athlet von hinten angeschossen. Nicht schnell.

Unfassbar schnell.

Er flog förmlich an mir vorbei. Ich dachte kurz darüber nach, mitzugehen. Der Gedanke hielt ungefähr eine halbe Sekunde. Das Tempo war völlig jenseits dessen, was meine Beine heute noch mitmachen wollten. Also ließ ich ihn ziehen und konzentrierte mich auf mein eigenes Rennen. Nach drei Kilometern begann die zweite Runde. Inzwischen mischten sich die Athleten auf die Strecke die ihre erste Runde begannen, wodurch es deutlich voller wurde. Ich versuchte weiterhin, mein Tempo zu halten. Doch an jedem Anstieg brannten inzwischen die Oberschenkel wie Feuer. An der höchsten Stelle angekommen wusste ich immerhin: Jetzt geht es nur noch bergab.

Das klang besser, als es tatsächlich war. Denn bergab bedeutete hier steiler Schotter und unruhiger Asphalt. Schnell laufen ja – aber bitte ohne unfreiwilligen Abflug und heilen Sprunggelenken. Dann kam endlich der Feldweg zurück Richtung Waldschwimmbad. Noch etwa 300 Meter. Jetzt gab es keine Reserven mehr aufzusparen. Ich mobilisierte alles, was noch irgendwo vorhanden war, und sprintete Richtung Ziel.

Am Ende lief ich als Vierter über die Ziellinie. Das Podium hatte ich nur knapp verpasst. Trotzdem überwog eindeutig die Freude. Es war ein richtig starker Wettkampf.

Am Ende standen:

  • 22. nach dem Schwimmen
  • Schnellste Radzeit des Tages
  • 311 Watt Normalized Power
  • Sieg in der AK45
  • Platz 4 Gesamt

Podest knapp verpasst – aber mit dieser Radleistung und diesem Rennen konnte ich mehr als zufrieden die Heimreise antreten.

Jetzt ist erst einmal Sommerpause.

#keep on running.