Bonn Halbmarathon 2026
19.04.2026 Bonner Halbmarathon

Bonner Halbmarathon 2026: Erste Reihe, leere Brücke und eine Bestzeit aus dem Nichts
Bonner Halbmarathon 2026. Morgens früh ging es nach Bonn. So richtig wach war ich noch nicht, aber das ist bei einem Laufstart ja ohnehin meistens eher ein theoretisches Konzept. Also ankommen, umziehen, After-Race-Beutel abgeben und langsam Richtung Startbereich schlendern.
Die Temperaturen waren irgendwo zwischen „kurz geht schon“ und „lang wäre vielleicht doch klüger“. Also genau diese Wetterlage, bei der man fünf Minuten vor dem Start noch einmal sämtliche Kleidungsentscheidungen seines Lebens hinterfragt.
Die Vorbereitung? Sagen wir mal: ausbaufähig. Richtig fit fühlte ich mich nicht. Dazu wenig Schlaf in den Tagen davor. Große Erwartungen an das Rennen hatte ich also keine. Eigentlich wollte ich einfach laufen, schauen, was passiert, und hoffen, dass der Körper unterwegs nicht zu früh einen Antrag auf Arbeitsverweigerung stellt.
Ich ging langsam in meinen Startblock. In Bonn wird in Wellen gestartet, immer abschnittsweise. Und genau vor mir wurde plötzlich das Wellenband eingezogen.
Moment.
Das bedeutete: Ich stand in der ersten Reihe der zweiten Welle.
Ganz vorne.
Direkt an der Linie.
Keine Ausreden mehr.
Dann der Start.

Ich renne los, biege als Erster um die Kurve auf die Kennedybrücke — und plötzlich ist da niemand vor mir. Wirklich niemand. Nur Straße, Brücke, Sonne, Rhein und ich.
Ein ziemlich seltsames Gefühl, ein Rennen mit über 10.000 Startern „anzuführen“. Natürlich nur meine Welle, aber das Gehirn nimmt solche Details in diesem Moment nicht ganz so genau. Für ein paar Sekunden fühlt es sich an wie Olympia, nur ohne Nationaltrikot, ohne Kameramotorrad und mit deutlich weniger Ahnung, ob das Tempo eine gute Idee ist.
Aber geil war es.

Die ersten Kilometer liefen erstaunlich rund. Ich fand schnell meinen Rhythmus, die Beine machten mit, die Atmung passte. Nach fünf Kilometern stand eine 19:35 auf der Uhr.
Krass schnell.
Für einen Tag ohne Erwartungen war das schon ziemlich sportlich. Aber es fühlte sich nicht nach Überziehen an. Ich lief langsam in die erste Welle hinein, und dadurch wurde es auf der Strecke voller. Vor mir tauchten immer mehr Läufer auf, die ich einsammeln konnte. Das motiviert natürlich. Wenn man schon nicht weiß, ob der Körper heute wirklich bereit ist, kann man ihm wenigstens vorgaukeln, dass es hervorragend läuft.
Es ging wieder unter der Kennedybrücke her und anschließend darüber. Am Anstieg machte ich Tempo. Bergauf Druck machen, oben kurz sortieren und bergab laufen lassen. Die Zuschauermassen am Rand schoben zusätzlich. Dieses Gefühl, wenn die Beine rollen, die Strecke lebt und man einfach mitten im Rennen ist — genau dafür macht man den ganzen Quatsch.
Die zweiten fünf Kilometer gingen in 19:46 weg.
Immer noch richtig schnell.
Langsam kam der Gedanke: Geht da heute vielleicht doch was? Die Beine fühlten sich weiterhin erstaunlich entspannt an. Fast verdächtig entspannt. Aber ich wollte nicht zu früh misstrauisch werden. Wenn der Körper ausnahmsweise kooperiert, sollte man ihn nicht durch zu viele Fragen nerven.
Dann ging es Richtung Rheinaue und weiter zum langen Anstieg am Posttower. Und dort wurde das Ganze langsam ehrlicher. Der Abschnitt zog sich. Es wurde anstrengender, der Puls meldete sich deutlicher, und der Kopf bekam zum ersten Mal die Information: „Nur zur Erinnerung, das hier ist kein lockerer Sonntagslauf.“
Die dritten fünf Kilometer liefen in 20:00 Minuten durch. Für das Profil absolut in Ordnung. Kein Einbruch, kein Drama, alles noch im grünen Bereich.
Jetzt ging es zurück Richtung Marktplatz. Erst einmal bergab. Und bergab kann man entweder vorsichtig verwalten oder einfach schauen, was noch geht.
Ich entschied mich für Variante zwei.

Die persönliche Bestzeit war plötzlich drin. Aus einem Rennen ohne Erwartungen wurde ein Rennen mit ziemlich klarer Mission. Also Gas geben, Tempo halten, nicht nachdenken. Die Beine begannen zu brennen, aber noch war genug im Tank. Oder zumindest redete ich mir das erfolgreich ein.
Die vierten fünf Kilometer gingen wieder in 19:35 weg.
Da war klar: Jetzt wird es ernst.
Es wurde voller auf der Strecke, es ging durch die Innenstadt Richtung Rathausplatz. Die Sonne strahlte, die Menschen standen dicht am Rand und peitschten einen nach vorne. Genau diese Zielphase, in der man gleichzeitig leidet, grinst, flucht und innerlich rechnet, ob es wirklich für die Bestzeit reicht.
Die letzten Meter zogen sich wie immer. Das Ziel war nah, aber der Körper fand, dass „nah“ ein sehr dehnbarer Begriff ist. Trotzdem: weiterdrücken, Arme mitnehmen, nicht nachlassen. Noch ein paar Kurven, noch ein paar Meter, noch einmal alles raus.
Dann der Zieleinlauf.

1:23:27.
Neue persönliche Bestzeit.
Damit hatte ich an diesem Morgen wirklich nicht gerechnet. Wenig Schlaf, keine optimale Vorbereitung, kein echtes Gefühl von Topform — und am Ende steht da eine neue PB.
Manchmal sind genau das die besten Rennen. Die, bei denen man ohne große Erwartungen startet, plötzlich alleine vorne auf der Kennedybrücke steht und der Tag entscheidet: Heute machen wir mal etwas Überraschendes.
Bonner Halbmarathon 2026 — unerwartet schnell, richtig hart und am Ende einfach nur geil.
so far...
#keeponrunning
Porzer Winterlaufserie 2026 Lauf1
25.01.2026 Porzer Winterlaufserie 2026 Lauf 1

Heute war der erste Lauf zur Porzer Winterlaufserie. Zuletzt habe ich mich nicht besonders gut gefühlt. Aber heute ging es dann bei frostigen Temperaturen um den Gefrierpunkt wieder zum Gut Leydenhausen nach Porz.
Nachdem ich meine Startnummer abgeholt hatte, machte ich mich noch kurz warm. Große Erwartungen hatte ich nicht. mit einer 38er Zeit wäre ich durchaus zufrieden gewesen. Um 12 Uhr erfolgte dann der Startschuss für die knapp 500 Teilnehmer. Ich hatte mich möglichst vorne einsortiert, da der erste Kilometer recht schmal und kurvig ist. Überholen ist da nicht so einfach. Meine Position im Feld war aber dann ganz gut, so dass ich nach 3:40m den engen Part der ersten Runde hinter mir hatte.
Das war jetzt ganz schön zügig, mal sehen wie lange ich das Tempo halten kann. Ich habe versucht meinen Rhytmus zu finden, der Puls war aber von Anfang an recht hoch. Ob das gutgehen würde. Über die Brücke bei der Hälfte der ersten von zwei Runden pushte ich drüber und danach die leichte Steigung zur Straße. Von dort geht es 1,5km leicht bergab auf gutem Asphalt. Vor mir hatte sich eine kleine Lücke aufgetan, so dass ich weitgehend alleine unterwegs war. Nach 18:35m waren die ersten 5km geschafft. Das war ein neuer Rekord auf der Runde. Die Beine wurden aber bereits etwas schwer.
Es ging jetzt wieder auf den engen Teil. Dieses Mal musste ich aber nicht mehr aufpassen, da um mich herum erst mal kein anderer Läufer war. Bei Kilometer 6 begann ich bereits rückwärts zu zählen: Noch vier. Ich versuchte das Tempo zu halten, was mir aber mit jedem Schritt etwas schwerer viel. Aber nach der Zwischenzeit war meine PB in Reichweite. Die stand seit fünf Jahren bei 37:51m. Kilometer sieben ging wie der sechste wieder in 3:47m weg. Dann ging es zum zweiten Mal über die Brücke und den Anstieg hoch. Meine Beine meldeten sich etwas energischer, was der Scheiß denn soll. Jetzt waren es nur noch zwei Kilometer. Ich hatte noch acht Minuten für SUB38. Auf der Geraden Richtung Ziel habe ich dann noch einmal alles rausgehauen. Der letzte Kilometer war mit 3:29m mit Abstand der schnellste. Am Ende stand eine 37:11m auf der Uhr. Platz 20/475 Gesamt und dritter in der AK45 von 43 Startern. Das hatte ich echt nicht erwartet.

Das Jahr beginnt also mit einem fantastischen Tag!

so far...
#keeponrunning
Köln Marathon 2025
05.10.2025 KölnMarathon 2025
Epilog:
Im Sommer 2022 kam ich auf die glorreiche Idee, einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. Die Form war seinerzeit gut und so meldete ich mich in Frankfurt an, da dort eine schnelle Strecke sein sollte und es nicht weit weg ist. Leider bekam ich vier Woche vor dem Wettkampf Corona, so dass ich den Start auf 2023 schieben musste.
2023 kam Torsten dann auf mich zu, ob wir nicht zusammen in Berlin starten wollen. Dort sollte die Strecke ja noch schneller sein, dazu ein starkes Feld. Also war der Plan dort die SUB3 anzugehen, als Backup stand der verschobene Start in Frankfurt einen Monat später. Also los.
Berlin ging bekanntlich mächtig in die Hose (3:05h), und dank der körperlichen Zerstörung in der Hauptstadt war auch das Unterfangen in Frankfurt wenig erfolgsträchtig (3:08h).
2024 meldete ich mich halbherzig in Köln an. Aufgrund eines langwierigen Bänderrisses beim Training für den RET50 war die Form im Herbst aber nicht ausreichend. Am Ende Stand eine 3:07 zu Buche. Ziel wieder verfehlt.

Der Saga letzter Teil
2025 dann ein neuer Ansatz. Wieder hatte ich mich in Köln angemeldet. Das Training wurde aber vier Monate vor dem Wettkampf stark intensiviert. Regelmäßige 100er Wochen mit echt fordernden Einheiten brachten mich an meine Grenzen und dazu diese weiter rauszuschieben. Das Training lief aber voll nach Plan, meine Garmin diagnostizierte über vier Monate Formaufbau! Das war ich von der sonst eher launischen Uhr nicht gewohnt. In der letzten Taperwoche lief es dann nicht so optimal. Erst die Wettervorhersage: 12 Grad Regen und starker Wind. Dann hatte ich auf einmal starke Nacken/Rückenschmerzen. Dazu kam eine anklopfende Erkältung. Zum krönenden Abschluss habe ich mir dann zwei Tage vor dem Wettkampf den kleinen Zeh gebrochen.

Am Renntag ging es dann früh mit der Bahn in die Stadt. Am Ziel angekommen habe ich mich für das Rennen fertig gemacht und wollte meinen After Race Beutel abgeben. Torsten, mein persönlicher Supporter für den Tag, brachte den dann zur Abgabestelle. Erstens war es ordentlich am Regnen, so dass ich mich für die Zeit trocken unterstellen konnte, zweitens konnte ich so ein paar Meter sparen. Als er wieder da war, machten wir uns auf zum Start. Es ging im Strom mit hunderten weiteren Athleten am Dom vorbei über die Hohenzollernbrücke zum Deutzer Bahnhof. Bisher lief alles nach Plan, wir hatten noch 15 Minuten bis zum Start. Ich stellte mich in den ersten Startblock und wartete darauf, dass es endlich losgeht. Monate, wenn nicht Jahre des Trainings galt es nun in diesem Moment auf die Straße zu bringen. Noch fünf Minuten, ich ziehe die Regenjacke aus und werfe sie Torsten an den Rand. Der Regen hat aufgehört und es kommt doch glatt die Sonne raus. Perfekt. In der Menge sind der Wind und die Temperatur nicht so schlimm. Noch eine Minute. Das Feld wird langsam nervös. Es schiebt sich alles noch ein paar Meter zur Startlinie. Aus den Boxen ertönt der Sprecher und beginnt den Countdown. 10....3-2-1 los. Nach ein paar Sekunden antraben geht es durch den Startbogen und ich starte meine Uhr.

In den ersten Metern zur Brücke ist es richtig eng und das Feld nervös. Ich achte darauf, dass ich nirgendwo drauftrete und umknicke. Das Rennen beginnt schließlich gerade erst. Auf der Brücke kommt der Wind hart von links. DAs bedeutet die Rheinuferstraße nach Rodenkirchen wird ordentlich Gegenwind sein. Der erste Kilometer auf der Brücke ist rum. 4:08m. Perfekter Start. Ich hole die Pacer mit den 3:00 Fähnchen ein und beschließe erst mal mich für den Gegenwind Part schön im Feld zu verstecken. Die Taktik geht auch gut auf. Auf den ersten 6 Kilometern merke ich kaum den Wind. In Rodenkirchen wird es das erste Mal wieder voller. Am Marktplatz steppt der Bär. Es geht aber auch schon bald wieder zurück und ich bleibe weiter in der Gruppe. Die Pace liegt so zwischen 4:11 und 4:15 und es fühlt sich gut an. Zehn Kilometer gehen mit 41:53m durch. Alles läuft nach Plan.

Apropos Plan. Bei Kilometer 11 ist der erste Treffpunkt mit Torsten. Ich merke, daß die Gruppe viel zu groß ist, um kurzfristig die Straßenseite zu wechseln. Wir hatten leider auch nicht besprochen auf welcher Seite er stehen soll. So setze ich mich mit einem kurzen Zwischensprint vor die Gruppe, wo ein kleines Loch ist. Kurze Zeit später steht Torsten am vereinbarten Punkt. Frisches Gel aufnehmen und weiter. Der Plan ist es, alles 20 Minuten ein Gel zu nehmen. Weiter gehts am Chlodwigplatz vorbei zum Heumarkt. Dann die leichte Steigung zum Neumarkt. Ich hatte mich an eine kleine Gruppe geklemmt, die vor den 3Stunden Pacern lief. Das Tempo war hier etwas höher. So gingen die nächsten Kilometer alle in 4:04-4:08 rum. Etwas schneller als gedacht, aber ich fühlte mich gut. Es ging auf die Innere Kanalstraße zur Uni. Nächster Treffpunkt mit Torsten, aber ich sehe ihn nicht. Kein Problem, habe ja noch ein Notfallgel dabei. In der Runde in Sülz nehme ich das. Dritter Treffpunkt mit Torsten, wo ist er? Scheiße. Ich werde ein wenig nervös. Die zweiten zehn Kilometer gehen mit 40:25 vorbei, der Halbmarathon mit 1:28:30h. Ich habe jetzt 90 Sekunden Vorsprung. Bei Kilometer 23 steht immer meine Mutter, dieses Jahr mit meiner Tante. Ein kurzer Wink und es geht auf die Aachener Richtung viertem Treffpunkt. Hier wäre Zeit für das nächste Gel. Wenn Torsten da ist, ist alles im Lot. Mein Blick wandert von links nach rechts aber ich finde ihn nicht. Ist dem was passiert? Gabs einen Notfall? Verdammt. Es kommen Rudolphplatz und Friesenplatz. Leichte Vorstufe der Eskalation am Streckenrand. Andauernd höre ich meinen Namen. Die Gedanken kreisen um die Verpflegung. Ab jetzt gibts Bananen am Verpflegungspunkt. Wollte ich zwar nicht essen, aber besser als nix. Fünfter Punkt mit Torsten – nicht da. Ich nehme etwas Tempo raus und überlege, was ich machen kann. Vielleicht einem anderen Supporter ein Gel aus der Hand reißen, Geld bieten? Ach ich hab ja nix dabei…. Auf der Venloer kommt das nächste Stimmungsnest. 100 Meter Tour de France Feeling. Danach die letzte Hoffnung auf Torsten. Ich sacke innerlich etwas zusammen. Womöglich alles für die Katz?

Der nächste Verpflegungspunkt kommt in Sicht und ich laufe ihn auf der Seite an. 50 Meter davor gucke ich zufällig nach rechts. TOOOOOORSTEEEEEEEEEEEEEEN. Er sieht mich und spurtet an meine Seite. Endlich zwei Gels, eins direkt verschlungen und eine Softflask mit Powerrade. Es fällt gefühlt ein 10kg Rucksack ab und es geht weiter am Mediapark vorbei. Die dritten 10km sind trotz allem mit 41:44 voll im Plan. Torsten steht am nächsten Punkt und drückt mir wieder zwei Gels in die Hand. Damit ist die Verpflegung gesichert. Es geht raus nach Niel. Das Feld hat sich etwas gelichtet, so dass ich immer wieder voll im Wind stehe. Ich versuche immer wieder Windschatten zu finden, aber es funktioniert mehr schlecht als recht. Bei Kilometer 33 sind es noch neun ins Ziel. Einstellig! Aber diese neun Kilometer sind genau so anstrengend, wie die 33 davor. Meine Oberschenkel melden auch dezenten Unmut ob des ständigen Antreibens, aber insgesamt bin ich noch nicht am Limit.

Kilometer 35. Ich habe den Vorsprung vom Halbmarathon gehalten und rechne aus, wie schnell ich die letzten sieben Kilometer laufen muss für SUB3. Es sind 4:30m, das fühlt sich gut an. Zum ersten Mal kommt die Zuversicht etwas raus. In Berlin bin ich an dieser Stelle explodiert, aber danach fühlt es sich nicht an. Als ich bei Kilometer 37 etwas verwundert auf die Uhr sehe, wundere ich mich wo denn die 36 war. Geil, nur noch fünf. Ich krame das letzte Gel raus, trinke nochmal ordentlich am Verpflegungspunkt und weiter. Noch vier Kilometer, kurz gerechnet, es reichen ab jetzt 4:50m! Von der Seite höre ich lautstark meinen Namen. Michael, Emina und Kathrin peitschen mich nach vorne und ich gebe die letzten Reserven frei. Die zwei Kilometer auf dem Ring fliegen in 4:00m nur so dahin. Als ich am Rudolphplatz abbiege bin ich sicher, dass es klappen wird. Ich hole nochmal alles raus. Kilometer 41 in 3:50m. Die Beine brennen. Zu früh zu schnell? Nein, heute reicht das. Auf der Hohe Straße sehe ich die Domspitzen. Das Ziel ist nah, die Kraft schwindet. Es geht um die letzte Kurve. Da ist der rote Teppich. Mir gehen fast die Beine weg. Ich kann mich nur mit Mühe aufrecht halten. Sofort reduziere ich das Tempo und wanke ins Ziel und danach zu Boden.

Mir fehlt sogar die Kraft meine Uhr zu stoppen. Sofort sind die Sanis da und holen mich wieder auf die Beine. Zitternd trinke ich eine Cola – und drücke meine Uhr ab. 3:03... Nach kurzem Check der Online Ergebnisse: 2:56:36h. Geil, das war doch deutlich unter drei Stunden. Es hat endlich geklappt.

Ich scrolle durch das Ergebnis und kann es kaum glauben. Mein erster Marathon mit negativ Split. Der zweite Halbmarathon war mit 1:28:07h 22 Sekunden schneller als der erste. Die 5km Splits sind alle innerhalb von 30 Sekunden. Ich bin insgesamt auf Platz 199 von über 10.000 Startern. In meiner Altersklasse reichte es zum kölschen Platz 11 von 501 Finishern.
Mission accomplished – start off-season!


so far
#keeponrunning
KölnTriathlon 2025
07.09.2025 KölnTriathlon 2025
Vierter Köln-City-Triathlon. Seit ein paar Tagen ist klar, dass es super Wetter am Sonntag wird und ich freue mich schon, dass es endlich wieder raceday ist. Nachdem es letztes Jahr unfassbar voll auf der Strecke war, befinde ich mich dieses Jahr zum ersten Mal nicht in der letzten, sondern in der ersten Startwelle. Das verspricht auf jeden Fall auf dem Rad etwas mehr Platz.
Ich mache mich also auf den Weg nach Deutz zum Eventgelände, um mein Rad einzuchecken und alles für die Wechsel vorzubereiten. Der Himmel ist strahlend blau und auch die Temperatur ist sehr angenehm. Nachdem alles fertig ist gehe ich die zweieinhalb Kilometer zum Schwimmstart. Schön locker. Möglichst viel Kraft in den Beinen lassen.

Am Start angekommen zwänge ich mich in meinen Neo und begebe mich zum Vorstart. Es geht durch das Haie Maul der Kölner Haie in den Deutzer Hafen. Ganz schön voll hier. Insgesamt sind 1400 Athleten für die Olympische Distanz gemeldet. Nach kurzer Zeit im Wasser erfolgt der Startschuss. Die ersten 100 Meter sind eine wahre Wasserschlacht. Vorne, hinten, links und rechts fliegen Arme und Beine vorbei. Ich versuche mich möglichst schnell nach links in die Strömung zu begeben, aber um mich herum ist alles mit aufgeschäumten Wasser voll, so dass es etwas dauert, bis ich mich befreien kann.

Nach ein paar Minuten habe ich mich endlich freigeschwommen und meinen Rhytmus gefunden. Der Rhein hat eine angenehme Temperatur. Nach links atmend habe ich immer den Dom im Blick. Wenn man unter einer Brücke herschwimmt ist es faszinierend, wie schnell die über einem vorbeizieht. So langsam kommt das Ziel in den Blick. Ich versuche den Ausstieg anzusteuern, aber neben mir taucht ein weiterer Schwimmer auf, der mich nicht die ideale Linie nehmen lässt. Als es wieder in die waagerechte geht, gucke ich auf die Uhr: 20 Minuten vorbei. Ich liege hervorragend in der Zeit.

Aktuell liege ich auf Platz 91. Also möglichst schnell zu meiner neuen Wettkampmaschine. Die wartet schon ungeduldig darauf, endlich von der Leine gelassen zu werden.

Nach kurzem Einrollen in der Überholverbotszone geht es über die Deutzer Brücke Richtung Leverkusen. Von Anfang an gebe ich Druck auf das Pedal und kann einen nach dem anderen einsammeln. Der Wind kommt von hinten und ich habe teilweise über 50 km/h auf dem flachen Kurs auf dem Tacho. Das Rad fühlt sich hervorragend an.

Als es um den Wendepunkt geht bläst der Wind plötzlich von vorne. Bis hierhin habe ich einen Schnitt von 42 stehen, aber mir wird schnell klar, dass das bald sinken wird. Ich nehme den Kopf runter und versuche mich möglichst klein zu machen. Mein Leistungsschnitt liegt bei 255 Watt. Das damit bin ich voll zufrieden. Nach 59:28m komme ich wieder in die Wechselzone. In der Gesamtwertung liege ich jetzt in den TOP10. Die insgesamt sechstbeste Radzeit hat mich hier weit nach vorne gebracht.

Der zweite Wechsel läuft gewohnt schnell von der Hand. Auf der Laufstrecke nehme ich die Beine in die Hand und gebe direkt Gas. Wie immer fühlt sich der erste Kilometer wie auf Eiern an. Mit einer Zeit von vier Minuten bin ich aber auf Kurs und versuche mich in der Pace einzurichten. Die Laufstrecke wird jetzt deutlich voller, da ich auf die Mitteldistanzathleten auflaufe. Dadurch ist es auch schwierig zu sehen, wo ich liege. Nach der ersten Runde nehme ich ein Gel und versuche das Tempo etwas zu forcieren. Gefühlt geht die Anstrengung hoch, die Pace bleibt allerdings gleich. Als es zum zweiten Mal vom Dom weggeht, werde ich zum ersten Mal am heutigen Tag überholt. Und das mit einem Tempoüberschuss, dass ich nicht mal daran denke dran zu bleiben.

Wo ich jetzt wohl liege? Reicht es für die TOP10 im Ziel? Der letzte Kilometer wird mein schnellster. Trotzdem werde ich 400m vor dem Ziel noch ein zweites Mal überholt. Ich laufe ins Ziel und drücke bei 2:02:38h die Uhr ab. Neuer Rekord auf der Olympischen Distanz und auch in Köln. Allerdings waren die Strecken dieses Jahr etwas anders. Trotzdem. Es war ein super Wettkampf und ich bin voll zufrieden.

Im Ziel unterhalte ich mich mit dem schnellen Athleten, der mich am Dom gecatcht hat. Er ist Laufcoach und gibt mir noch ein paar Tips für den Köln Marathon in vier Wochen. Als ich dann auf die Ergebnisliste schaue, fange ich an zu grinsen: Gesamt Neunter von 1.400! In der Altersklasse M45 werde ich zweiter.


Insgesamt war es ein Super Wettkampf.
Noch vier Wochen bis zum Köln Marathon...
so far
#keeponrunning
Indeland Triathlon 2025
29.06.2025 Indeland Triathlon

Am Sonntag stand das Triathlon Highlight für dieses Jahr auf dem Programm: Die Mitteldistanz beim Indeland Triathlon. Nachdem ich im letzten Jahr dort einen meiner besten, wenn nicht sogar den besten Wettkampf meiner Karriere gemacht habe, war ich skeptisch an diese Leistung anknüpfen zu können.
Mein neues Wettkampfrad, gerade zwei Wochen alt, war noch nicht zu 100% eingestellt. Die Scheibe für hinten kam leider beschädigt bei mir an, so dass ich auf diese im Rennen verzichten musste. Das Wetter war allerdings super angesagt. So ging es dann am Sonntag Morgen nach Aldenhoven.

Nachdem ich meine Startunterlagen abgeholt hatte, platzierte ich die Laufsachen in T2 und merkte mir, in welchen Gang ich später einbiegen muss. Bei einer Wechselzone für über 2000 Teilnehmer ist das nicht ganz unwichtig. Danach machte ich mein Rad startklar und radelte entspannt zum Blausteinsee. Der ist knapp 9 Kilometer entfernt, so dass man schon etwas Zeit dafür einplanen muss. Das Rad in T1 eingecheckt, alles arrangiert und ein noch kurz zur diesjährigen Dixi-Besichtigung – wie immer: Ein Traum.

Ich hatte noch etwas Zeit und versuchte mich so viel wie möglich im Schatten aufzuhalten, in der Sonne konnte man es kaum aushalten. Dann ab in den Neo und zum Start in den See. Das war wirklich sehr angenehm. Ein Schuss und es ging los. Ich hatte mich extra weit am Rand einsortiert, da ich dem Geprügel zu Beginn damit aus dem Weg gehen wollte. Nach ein paar Zügen kam ich schnell in meinen Rhythmus. Das Wasser war super angenehm. Spoiler: Es sollte temperaturtechnisch auch die beste Zeit des Tages bleiben. Nach einiger Zeit kam ich zu Wendeboje, mehr als die Hälfte geschafft. Läuft. Auch der Rückweg ging gut von der Hand. Langsam konnte man den Ausstieg erkennen. Der kam langsam näher. Auf den letzten hundert Meter wurde es etwas voller, so dass ich zweimal Wasser schlucken musste. Nach 34 Minuten guckte ich etwas ungläubig auf die Uhr. Krass, das war für mich ein TOP schwimmen, also auf zum Rad.
Der Weg dorthin, ich nenne es die Wechselzone des Todes, muss man aber erst mal ein paar Minuten steil bergan laufen. Dabei sich schon mal halb aus dem Neo schälen und Schwimmbrille, Badekappe, Ohrstöpsel und Nasenklammer jonglieren. Regelmäßig habe ich bei diesem Triathlon den höchsten Puls, wenn ich am Rad ankomme. Schnell in die Radschuhe, Helm auf und ab geht`s zum schnellsten Part des Tages.

Auf dem Rad versuchte ich direkt etwas Druck zu machen. Die ersten Kilometer auf einem kleinen Feldweg sind aber mit vielen 90 Grad Kurven etwas technisch. Dann ging es auf die erste Runde. Erst mal mit Rückenwind lief der neue Hobel wie eine Eins. Kilometer 20 passieren ich nach 29 Minuten. Alles im Plan. Danach wird es etwas langsamer, der Wind dreht und kommt mehr von vorne. Dazu geht es in den Tagebau und es gibt ein paar fiese Anstiege mit teils 10% Rampen. Nach 38Kilometern kam die Verpflegungsstelle am Kraftwerk. Ordentlich Wasser nachtanken, meine Gelflasche ist halb leer, so wie geplant. Auf der zweiten Runde wird die Strecke voller. Die Kurz- und Sprintdistanz Athleten mischen sich zu den Mitteldistanzlern. Ich muss wesentlich mehr überholen und verliere etwas den Rhythmus. Außerdem wird es langsam auch wirklich warm. Die zweite Runde ist knapp zwei Minuten langsamer als die erste, aber die Zeit sieht Top aus. Ich biege ab Richtung T2, es sind noch etwa vier Kilometer. Mir ist etwas übel. Ich denke es kommt von den Gels, die zuletzt gar nicht mehr schmecken. Nach 2:18 erreiche ich T2. Das ist ein Schnitt von 38 km/h. Ich bin super unterwegs, knapp fünf Minuten schneller als letztes Jahr. Ich schiebe mein Rad durch die Wechselzone, wo war nochmal mein Platz? AAAAh, doch ein Gang zu weit. Schnell zurück, Rad einhängen und ab in die Laufschuhe. Vier Gels in den Anzug, Sonnenbrille und Kappe auf und los. Die Hitze hier fühlt sich enorm an. Der erste Kilometer geht einigermaßen, aber nur in 4:30. Hm, das wird wohl heute nix mit einem schnellen Lauf. In der Stadt steht die Luft, der Asphalt glüht. Ich versuche mich an den Wasserstellen gut zu verpflegen. Nach zwei Kilometern geht es aus der Stadt raus aufs Feld. Scheiße. Hier brennt der Planet. Die Schotterwege stauben ob der Athleten die sich über den Kurs schleppen. Ich sehe Leute gehen und am Rand liegen. Beim Eingang in die Stadt endlich wieder Wasser. Ich gehe durch die Station und nehme was ich kriegen kann. Ein Becher über den Kopf, einen trinken, einen über den Kopf, einen auf die Brust. Weiter geht’s. Nach 24 Minuten laufe ich am Ziel vorbei auf Runde zwei. VIERundZWANZIGMINUTEN! Für FÜNF Kilometer! Das wird noch ein langer Ritt. Ich verabschiede mich von jeglichen Zeit-Zielen. Ankommen wäre schön, ich versuch das mal. Ab der zweiten Runde laufen die Verpflegungsstellen alle gleich ab. So nass machen wie möglich, soviel trinken wie möglich. Ich verliere zwar jedes Mal eine halbe Minute, aber egal. Ohne das werde ich auf keinen Fall ankommen. Auf dem Feld halte ich mit ach und krach einen 5er Schnitt. Am Rand jetzt auch zusammengebrochene Athleten mit RTWs. Krass. Runde zwei im Sack. ERST ZWEI RUNDEN? In der Stadt herrscht abseits der Strecke gute Stimmung mit viel Musik. An zahlreichen stellen sind Stimmungsnester. Ich denke nur noch von einer Wasserstation zur nächsten. Es geht wieder aufs Feld. Landet da ein Rettungshelikopter? Da muss es einem echt dreckig gehen. Ich sehe auch Sanis auf Motorrädern. Neue RTWs. Ich überlege ernsthaft aufzuhören. Es ist so unfassbar anstrengend. Runde drei gechekt. Jetzt wäre aufgeben doch auch doof. Also nochmal los mit einem sehnsüchtigen Blick am Ziel vorbei. Es fühlt sich alles teilweise surreal an. Ich stelle mich gefühlt ne Stunden unter eine Wasserdusche. Hier könnte ich mich auch gut hinlegen. Weiter geht’s zum letzten mal raus aufs Feld durch die Feuer von Mordor. Wie neue Rettungswagen unterwegs, jetzt auch ein großer Feuerwehrwagen. Was ist hier bitte los? Eine Wolke schiebt sich kurz vor die Sonne, ist das schön. Es geht wieder in die Stadt. Einen Schritt vor den anderen. Nochmal trinken und abbiegen in den Zielkanal. Ich höre meinen Namen, leise und ganz weit weg. Ich torkel über die Ziellinie und bekomme das, wofür man den ganzen Scheiss macht. Die Finisher Medaille. Man bin ich fertig. Ein Blick auf die Uhr: 4:46h. Doch langsamer als letztes Jahr, aber angekommen. Nach kurzer Zeit im Ziel verlassen mich die Kräfte und ich muss in die Horizontale wechseln. Ein Sani nimmt mich mit und ist etwas besorgt. Nach einiger Zeit und einigen Bechern kalten ISOs geht’s aber wieder und ich darf gehen.

Nachdem ich es irgendwie nach Hause geschafft habe, geht`s mir nicht wirklich gut. Ich habe starkes Fieber und zittere bei 37 Grad im Schatten. Habe ich wohl einen kleinen Hitzschlag. Das erklärt auch so einiges auf der Laufstrecke. Jetzt erst mal erholen...

so far…
#keep on running.